Der Mond ist ein gebirgiger Satellit, dessen Oberfläche zu 80 Prozent mit abgerundeten Hügeln bedeckt ist. Diese Hochlandgebiete lassen sich mit dem bloßen Auge gegen die Tieflandmeere erkennen. Ihre charakteristische silbrigweiß leuchtende Farbe verdanken sie ihrer ungewöhnlichen geologischen Natur. 1972 von Apollo 16 im Hochland gesammelte Gesteinsproben waren die ersten Beweise zur dunklen Vergangenheit des Mondes. Da aber die meisten Gebirgsregionen auf der erdabgewandten Seite des Mondes liegen, haben die Geologen ihre Aufmerksamkeit jener so genannten dunklen Seite des Erdtrabanten zugewandt.

 

Uralte Hügel

Die Gebirgszüge auf dem Mond beherbergen oberhalb und unterhalb ihrer steiniger Oberfläche einen wahren Reichtum an naturwissenschaftlicher Geschichte. Sie sind mit Metoritenkratern und Gesteinstrümmern übersät. Größere Einschläge schufen die großen Becken, die sich mit Lava füllten und die Maria, die "Meere", bildeten, die heute so klar als dunkle Flecken zu erkennen sind. Die meisten dieser Ereignisse spielten sich vor sehr langer Zeit ab. Wissenschaftler schätzen, dass der Mond, sieht man einmal von gelegentlichen kosmischen Kollisionen ab, während der letzten 3,9 Milliarden Jahre ein ziemlich ruhiger Ort gewesen ist. Die Gebirge sehen wegen ihrer einzigartigen Geologie ausgesprochen blass aus, selbst für das bloße Auge. Sie bestehen hauptsächlich aus Anorthositen - einem kalzium und silikatreichen Gestein mit einem hohen Aluminiumgehalt, der für den blassen Farbton sorgt. Dieses Gestein ist so alt, dass selbst der jüngste Anorthosit noch viel älter ist als das meiste irdische Gestein. Es ist auch deutlich älter als die beiden anderen auf dem Mond gefundenen Gesteinsarten - vulkanische Basalte in den dunklen Meeren und die Breccien, die entstanden, als sich verschiedene Gesteinsarten durch die Hitze und den Druck von Einschlägen miteinander vermischten. Für die Erstellung solcher grundsätzlicher geologischer Daten sammelten die Apollo-Missionen 15, 16 und 17 zusammen eine enorme Menge an Material, wobei Apollo 16 als erstes Raumfahrzeug in den Bergen landete, um dort seine wertvolle "alte" Ladung aufzunehmen. Diese Gesteinsproben werden sogar heute noch analysiert. Alles, was wir von ihnen erfahren, bildet auch weiterhin die Grundlage unserer Kenntnis von der Geologie und Geschichte des Mondes.


Schmidtkrater 11km Durchmesser


Fakten

Gesteinsstudien

Über 25 Jahre nach dem Ende der Apollo Mondmission sind weltweit immer noch 60 Forschungslabors damit beschäftigt, das mitgebrachte Gestein zu untersuchen.

Rückblick

Mondgestein enthält den historischen Beweis für schwankende Strahlenniveaus. Dies ermöglicht einen Einblick in die zurückliegenden 4 Milliarden Jahren der Sonne.

Fortschritt

Bei der Untersuchung des Mondgesteins können die Geologen heute Analysetechniken einsetzen, die in den 60er Jahren noch gar nicht existierten.

 



Humboldt Krater (Apollo 15)


Geheimnisse der Berge

Auch nach den Apollo-Landungen blieb noch vieles ungeklärt. Die Wissenschaftler wussten zwar, dass der Mond einmal vulkanisch aktiv gewesen war, doch gab es auch andere Theorien zu seiner Entstehung. Einige Geologen glaubten, allein Proben aus den alten Hochlandgebieten würden die Antwort liefern. Mit den 1972 von Apollo 16 mitgebrachten Proben waren sie in der Lage, das Alter des Gesteins zu bestimmen - vieles erwies sich als über 4 Milliarden Jahren alt. Anhand dieses urzeitlichen Mondgesteins wollten die Wissenschaftler endlich herausfinden, wie sich der Mond entwickelt hatte. Nach dem Anwachsen kleiner Materialbrocken in einer Erdumlaufbahn vor 4,6 Milliarden Jahren erwärmte sich die Mondoberfläche während der folgenden 200 Millionen Jahre unter ständigen Einschlägen. Schließlich zerschmolz sie zu einem riesigen Lavameer, wobei sich flüchtiges Material in den Weltraum verlor und weniger dichtes Material - wie das in den Hochlandgebieten gefundene Aluminium und Kalzium - an die Oberfläche trieb. Vor 4,4 bis 4,1 Milliarden Jahren begann die Kruste schließlich, sich zu verfestigen. Dabei entstanden ausgedehnte Gebirge, die nur von Trümmerschauern aus dem Weltraum beeinträchtigt wurden, die im Laufe der nächsten Million Jahre einen Krater nach dem anderen bildeten. Seitdem hat sich nichts mehr verändert, da es auf dem Mond keine Erosionsvorgänge gibt: die perfekte Konservierung eines geologischen Zeitalters, das bereits existierte, bevor die Zeit auf der Erde begann.


Ausstieg aus Apollo 14


Hintergrundt.

Gewichtige Mission

Apollo 16, am 16.April 1972 gestartet, brachte die ersten unverfälschten Anorthositproben zur Erde zurück. Sie stammten aus dem Descartes - Gebirge. John Young und Charles Duke sammelten auf ihrem 20-Stündigen Mondspaziergang 96,6 kg Gestein.


Die Dunkle Seite

  Camelot

Die letzte Apollomission, 17, landete im Dezember 1972 im Taurus-Littrow- Gebiet und machte diese Aufnahme in der Nähe des Kraters Camelot. Rechts erkennt man das Mondfahrzeug.

  King

Die nordwestliche Hälfte des Kraters King, von Apollo 16 aus der Mondumlaufbahn aufgenommen. Eine Beobachtung durch die Astronauten lieferte wichtige geologische Daten über das Mondterrain.

  Hochebenen

Eine Nahaufnahme vom Camelot-Krater aus fotografiert. Apollo 17 Astronauten sammelten 110 kg Mondgestein ein, nachdem sie an einer Stelle gelandet waren, die man wegen ihrer geologischen Vielfältigkeit ausgewählt hatte.

  Krater Van de Graaff

hat einen Durchmesser von 234 km

 


Daten

Erde und Mond

  Die Rocky Mountains Die Mondgebirge
ungefähres Alter 65-35 Millionen Jahre 4,1-4,4 Milliarden Jahre
Anwesenheit des Menschen seit 10000-8000 Jahre v. Chr 1969
mittl. max. Höhe über dem Meeresspiegel 4400 m 6100 m
mittlere Bodendichte 5500 kg/m 3300 kg/m
vorherrschende Gesteinsarten Schiefer und Sandgestein Anorthositen und Breccien
Mineralien Kupfer, Silber, Gold, Blei, Zink, Kohle, Molybdän, Beryllium, Uran Titan, Eisen, Aluminium, Magnesium, Kalzium, Uran
Wasser Flüsse, Seen und Gletscher kein Wasser
Pflanzen Alpine Waldgebiete keine Pflanzen
Tiere Verschiedene Wildlebende Tierarten keine Tiere
Gebildet durch Kollision tektonischer Platten Erstarrung siedender Kruste


Ausstieg aus Apollo 15, Mount Hadley im Hintergrund


Apollo 11, Krater Daedalus auf der Mondrückseite


Farbratenbild des Kraters Aristarch


Perspektiven - Was wäre wenn....

....wir einen Urlaub im Mondgebirge verleben könnten ?

Unternehmungslustige Touristen können sich über folgende Nachricht freuen: Die Oberfläche des Mondes würde sämtliche grundlegenden Erfordernisse einer für das Überleben notwendigen Umgebung abdecken. Eines Tages in nicht allzu ferner Zukunft könnte für die alten, narbigen Mondgebirgszüge also der langgehegte Traum von einem Themenpark oder einer überdachten Biosphäre in Erfüllung gehen. Das größte wirtschaftliche Problem, dem sich mögliche Erschließungsvorhaben auf dem Mond gegenübersahen, waren stets die immensen Kosten für den Transport der beträchtlichen Nutzlasten aus dem Schwerkraftbereich der Erde heraus. Inzwischen wissen wir jedoch, dass gar keine Unmengen an Rohmaterialien auf den Mond exportiert werden müssten. Seit kurzem scheint es erwiesen, dass es dort sogar Wasser gibt (Wasser auf dem Mond), und zwar konzentriert an den Mondpolen.
Zwar hat der Mond keine Atmosphäre zum Atmen, aber der Großteil des Gesteins enthält über 40 Prozent Sauerstoff. Um diesen wertvollen Schatz nutzbar machen zu können, arbeiten Wissenschaftler seit den 80er Jahren an raffinierten und immer effektiveren elektrochemischen Prozessen. Es bietet sich an in den polaren Regionen oberhalb des "Meeres der Kälte" oder Mare Frigoris, in dem von ewiger Sonne begünstigten und daher als Standort bestens geeigneten Gebirge, mit Sonnenenergie betriebene Generatoren zu errichten. Da der Boden der Polarkrater immer im Schatten liegt, sind diese dunklen Löcher die kältesten Stellen auf dem Mond. Weil dort aber beständige Temperatur- und Lichtverhältnisse herrschen, kämen sie als ideale Standorte zur Errichtung künstlicher Welten in Frage. Müssten Techniker und Wissenschaftler einen "Abenteuerkomplex am Pol" bauen, würden sie sich gern auf die an der Polkappe nie untergehende Sonne als verlässliche ständige Energiequelle zurückgreifen. Besucher würden in einer mit einer Kuppel überdachten, im Krater Gagarin errichteten Welt, die längsten Tage und Nächte ihres Lebens erleben.

Eines Tages werden wir vielleicht eine Ferienanlage auf dem Mond besuchen und über die Mondgebirge wandern. Die geringe Schwerkraft wäre dabei ein Teil der Attraktion.

Jede Nacht dauert zwei Wochen und würde wahrscheinlich eine beträchtliche Menge an zusätzlicher Energie notwendig machen, die vielleicht aus "sauberen" Kernfusionsreaktoren stammen könnte. Diese ließen sich etwa mit dem reichlichen vorhandenen Isotop Helium-3 betreiben. Angesichts so zahlreicher, uns möglicherweise zur Verfügung stehender Naturreichtümer könnte es Mondbesuchern glatt in den Sinn kommen, dort Ferien zu machen.