Der Mond ist eine Kuriosität. Er ist so groß, dass das Erd-Mond-System fast einem Doppelplaneten gleichkommt. Seit Generationen versuchen miteinander rivalisierende Theorien, seinen Ursprung zu erklären. Doch Beweismaterialien, die von den Apollo-Mondmissionen zurückgebracht wurden, dürften die Auseinandersetzung beendet haben. Die meisten Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass vor 4,5 Milliarden Jahren die geschmolzene, neu entstandene Erde von einem anderen Planeten gestreift wurde. Der Einschlag zerstörte diesen und schleuderte riesige Trümmer in den Weltraum. Von dieser Kollision stammt unser nächster Nachbar ab.

 

Gewaltiger Einschlag

Vielleicht werden Astronomen nie herausfinden, wie der Mond entstand, die meisten unter ihnen favorisieren heute jedoch die Theorie vom Einschlag eines riesigen Kometen. Das frühe Sonnensystem war ein chaotischer Ort-eine wirbelnde Scheibe aus herumfliegenden Trümmern, die sich nach und nach zusammenballten und die Planeten bildeten. In dieser Phase soll die junge Erde von einem anderen planetengroßen Körper getroffen worden sein. Der katastrophale Zusammenprall wirbelte eine riesige Trümmerwolke auf, die später zum Mond verschmolz.
Das Überzeugende an dieser Theorie ist, dass sie sowohl die Unterschiede als auch die Ähnlichkeiten zwischen beiden Körpern erklärt. Einige Unterschiede sind auf die Schwerkraft zurückzuführen - der Erdkern enthält etwa mehr Eisen als der Mond, weil die größere Masse der Erde natürlich das schwerste Material angezogen hätte. Es gibt aber auch Mondgestein, das sich völlig von jedem Gestein auf der Erde unterscheidet - vielleicht ein Indiz dafür, dass es den Trümmern eines zerborstenen Planeten entstammt, der auf dem Mond einschlug.
Die Theorie entwickelte sich zu Anfang der 70er Jahre, als Messdaten der Apollo-Missionen Zweifel an früheren Theorien zur Mondentstehung aufkommen ließen. Zwei Astronomen, William Hartmann und Donald Davis vom Planetary Sciences Institute in Tucson, Arizona, hatten die Größe von Miniplaneten eingeschätzt, die in der Nähe der Erde während der frühen Phase des Sonnensystems entstanden sein könnten.


Die Erschaffung unseres Mondes

Einschlag

Ein mit einer Geschwindigkeit von einigen Kilometern pro Sekund ankommender Planet schlägt auf die noch junge, heiße Erde auf. Innerhalb von vier Stunden verschmilzt der Kern des Planeten mit dem Mantel der Erde und die äußersten Schichten beider Planeten werden in den Weltraum gesprengt.

Trümmer

Unter dem Einfluss der Schwerkraft und der Zentrifugalkraft der Erde verwirbeln sich Trümmer von der Kollision zu einer gigantischen Scheibe. Viele fallen wieder zurück auf die Erde, doch die übrigen beginnen, sich allmählich zu immer größeren Körpern zusammenzuballen.

Die Geburt des Mondes

Innerhalb weniger Jahre haben die größten Objekte in der Scheibe die meisten der herumfliegenden Trümmer zusammengesammelt und zu einem einzigen großen Körper geformt. Das Erde-Mond-System ist jetzt vollständig, aber noch jung und heiß. Langsam kühlen sich beiden Körper ab und driften auseinander, um schließlich das heutige System zu bilden.

 


 


Hintergrundt.

Vulkanmond

Früher glaubte man, Miranda, einer von Uranus Satelliten, hätte eine ähnliche heftige Entstehungsgeschichte wie der Mond gehabt. Mirandas Oberfläche umfasst drei relativ junge und stark zerfurchte Gebiete, während der Rest älter und mit Kratern übersät ist. Heute nehmen jedoch die meisten Astronomen an, dass die Riesigen Furchen durch Gezeitenabhängige Vulkanische Aktivitäten bedingt sind, ähnliche wie auf Jupiters Mond Io.

Indianer

Die Irokesen glauben, dass der Mond von Hahgwehdiyu geschaffen wurde, dem "Guten Schöpfer". Er gestaltete den Himmel mit seinen Händen, für die Erschaffung der Sonne, des Mondes und der Sterne nahm er als Rohmaterial den Leichnam seiner Mutter.


 


Simulierte Einschläge

Davis und Hartmanns Forschungsarbeit zeigte, dass sich mehrere Objekte, jedes deutlich größer als der heutige Mond, in der Nähe der Erde zu einem bedrohlichen Einschlag hätten zusammenballen können. Dabei wären genügend Trümmer entstanden, um einen Satelliten wie den Mond hervorzubringen. Zunächst konnten die Astronomen nur Vermutungen über die Größe eines Einschlagkörpers anstellen,aber mit Hilfe von Computersimulationen lassen sich heute die Wechselbeziehungen von 1000 bis 3000 Objekten unterschiedlicher Größe,von einigen bis zu mehreren hundert Kilometern Durchmesser, verfolgen. Die Simulation scheinen zu bestätigen, dass ein gewaltiger Einschlag in einem bestimmten Winkel zur Bildung des Erde-Mond-Systems innerhalb nur weniger Jahre geführt haben könnten. Im Juli 1997 präsentierten Wissenschaftler der Universität Colorado die neuste Schätzung für die Masse des Einschlagkörpers. Sie bewiesen, dass etwa 60 bis 85 Prozent der Trümmer einfach auf die Oberfläche des Mutterplaneten zurückfallen. Das bedeutet, dass die Erde von einem Objekt der zweieinhalb- bis dreifachen Größe des Mars getroffen wordn sein musste, wenn sich die restliche Trümmer zu einem Satelliten der Größe unseres heutigen Mondes zusammenballten. Trotzdem ist diese Theorie noch nicht schlüssig bewiesen. Alle Computersimulationen gehen nähmlich davon aus, dass die Erde ungefähr doppelt so schnell rotiert haben müsste, wie berechnet. Unser nächster Nachbar wird also seine Geheimnisse nicht so leicht preisgeben - falls er es überhaupt je tut.


Daten

Widerlegte Theorien

Vor den Apollo Missionen zwischen 1969 und 1972 gab es drei Miteinander Konkurrierende Theorien zur Entstehung des Mondes. Messdaten sprechen heute für eine vierte Theorie - dass nämlich der Mond das Ergebnis einer Gigantischen Kosmischen Kollision ist.

Theorie der Gleichzeitigen Entstehung

Vertritt die These, dass die Erde und der Mond unabhängig voneinander als ein Doppelplanet aus der Gas- und Staubwolke entstanden, aus der sich das Sonnensystem bildete.

Problem Hätten sich Erde und Mond aus der gleichen embryonalen Materie entwickelt, würde sich die geologische Zusammensetzung beider Körper sehr viel stärker ähneln.

  Abspaltungs - Theorie

Geht davon aus, dass sich der Mond von der Erde abspaltete, als diese gebildet wurde und noch viel schneller um ihre Achse rotierte.

Problem Hätte sich Erde und Mond aus dem gleichen Planeten gebildet, müssten die äußeren Schichten einander ähnlicher sein. Auch sollte der Mond die Erde in der ebene des Äquators umkreisen, was er nicht tut.

  Einfang - Theorie

Nimmt an, dass der Mond ursprünglich ein eigenständiger Körper war, der von der Schwerkraft der Erde eingefangen worden ist.

Problem Der Mond ist wahrscheinlich zu massereich, als dass er so eingefangen worden sein könnte. Außerdem leifert diese Theorie keine Erklärung für die geologischen Ähnlichkeiten beider Körper.

 


Perspektiven - Was wäre wenn....

....sich mehrere Monde gebildet hätten ?

Wie der Mond, so hat sich auch das Sonnensystem aus der Anhäufung von Materie in einer kreisenden, scheibenartigen Struktur herausgebildet. Doch während die Scheibe, die Sonne umkreiste, mindestens neun Planeten und zahllose kleinere astronomische Objekte gebar, erzeugten die Trümmer, die die Erde umkreisten, nur einen einzigen großen Satelliten. Hätte die Erde ebenfalls mehr als nur einen Mond haben können?
Computersimulationen zeigen, dass sich durchaus zwei Monde bilden könnten, wenn die Erde einem großen Einschlag unterworfen würde. Allerdings ist unklar, ob beide Satelliten über eine große Zeitspanne hin in konstanten Umlaufbahnen bleiben könnten. Die Simulationen deuten darauf hin, dass ein Zwei-Monde-System nur ein kurzlebiges Phänomen wäre: Der kleinere der Satelliten würde auf die Erde zurückgeworfen oder durch die Anziehungskraft des größeren Satelliten in die Tiefe des Weltraums hinausgeschleudert werden. Vielleicht würden auch beide Monde miteinander kollidieren.
Hätte aber unser Planet dennoch zwei Satelliten erhalten, dann sähe es auf der Erde sicherlich anders aus. So würde es häufigere Sonnenfinsternisse geben, totale Finsternisse würden sich vielleicht nie ereignen. Die Gezeiten, die sich gegenwärtig etwa in einem 13-stündigen Rhythmus wiederholen, würden nur schwer vorherzusagen sein - und sie wären extremer. Außerdem wären Tag und Nacht unterschiedlich lang. Die Gravitation des Mondes beeinflusst die Rotation der Erde, indem sie diese entweder beschleunigt oder verlangsamt, je nachdem, wo sie sich in der Umlaufbahn befindet. Als der Mond vor rund 4,5 Milliarden Jahren entstand, war er viel näher an der Erde, die sich daher wesentlich schneller drehte - vielleicht alle fünf Stunden einmal. Zwei Monde würden diese Wirkung verstärkt haben, mit dem Ergebnis, dass es heute viel kürzere Tage und Nächte gäbe.Zwei Erdtrabanten hätten wahrscheinlich auch für eine erhöhte emotionelle Instabilität der Erdbevölkerung gesorgt. Denn es gibt statistische Belege dafür, dass Unfälle und Gewalttätigkeiten zur Zeit eines Vollmondes in einem Zyklus, der jenem der Gezeiten ähnelt, vermehrt stattfinden. Nicht auszudenken welche Stimmungschwankungen bei zwei Monden auftreten würden.